Glent

Whisky, den man nicht einfach kauft. Sondern entdeckt.

Bild: © Anne Burgess / CC BY-SA 2.0

GlenAllachie – “Tal der Felsen”. Eine recht junge Destille im Herzen der Speyside am Fuße des Berges Ben Rinnes.

1967 gegründet und von Anfang an auf Effizienz getrimmt. Ein Großteil des des Alkohols ging in die Blend Industrie, Single Malts von GlenAllachie waren rar gesät. 1985 bis 1987 ging GlenAllachie an die Invergordon Distillers, dann folgte eine Zeit der Schließung bis 1989. Danach übernahm Pernod Ricard die Brennerei bis 2017.

Ab jetzt wird es spannend 😉 Ein Konsortium um Billy Walker (der sich einfach nicht zur Ruhe setzen wollte) kaufte die Destille und setzte den Fokus, zu unserer Freude, auf Single Malts. Nicht nur das, Altersangaben sind selbstverständlich und die Faßauswahl ist phänomenal! Die Core Range besteht aus 10-, 12-, 18- und 25-Jährigen Single Malts. Diese werden mit mindestens 46% abgefüllt und sind natürlich weder gefärbt noch kühlfiltriert.

Was dort am Ben Rinnes passiert ist also äußerst spannend und wir freuen uns auf viele weitere Releases von GlenAllachie!


GlenAllachie im Shop

Uralt und mitten im Ort Bowmore befindet sich die Destille. Wohl einer der legendärsten Islay Destillen und unter Japanern definitiv der “Islay Liebling”. Das mag eventuell damit zusammenhängen, dass Bowmore seit 1994 zur japanischen Suntory Gruppe gehört und entsprechend dort geworben wird, aber Bowmore ist ohne Frage eine Legende.

Im Gegensatz zu vielen anderen Destillen, fokussiert man sich bei Bowmore auf die Single Malts. Wenig geht in Blends und wenig geht an unabhängige Abfüller – leider. Umso erfreuter waren wir, dass wir vor kurzem einen 23 Jahre alten “unabhängigen Bowmore” von Single Malts of Scotland erwerben konnten. 

Typisch für Bowmore ist die Lagerung in Sherry Fässern. Bourbon Abfüllungen sind nicht die Regel. Die Torfnote ist deutlich. Dazu gesellt sich das typische Islay Salz. Hier erwähnt man immer gerne die Lagerhäuser, die bei Flut über einen Meter im Salzwasser stehen. Lagerhaus ist das Stichwort: als Besucher sollte man unbedingt das Warehouse No 1 besichtigen. Hier erinnert NICHTS mehr an unsere Zeit, man fühlt sich wie in den Anfangsjahren der Destille. Nicht zu reden von den Schätzen die dort gelagert werden.

Namedropping: Jim McEwan. Den meisten fällt bei diesem Namen sofort “Bruichladdich” ein. Aber es muss einem sofort auch “Bowmore” einfallen. Jim begann mit einer Küferlehre bei Bowmore. Im Alter von 22 Jahren hatte er bereits die Verantwortung über die Warehouses und wurde später Distillery Manager und prägte die Destille. 

Was erwähnte eigentlich Alfred Barnard 1887 in seinem  Buch “The Whisky Distilleries of the United Kingdom” über Bowmore?

We found the coach drive from Port Ellen to Bowmore one of the most uninteresting that we had ever experienced. During the journey of four hours we saw but two or three habitations, and scarcely any trees; in all our wanderings we have never travelled by such a dismal and lonely road.

Ich musste leicht schmunzeln. Offensichtlich war die Straße von Port Ellen nach Bowmore 1887 nicht unähnlich der heutigen Straße. Aber uninteressant finde ich den Weg durch das Moor bis heute nicht. Es ist aber immer wieder faszinierend, dass sich in ca. 130 Jahren manche Dinge nicht wirklich geändert haben.

Bowmore
P.S.: wer die Destille von dieser Ansicht aus sieht, sollte schnell weitergehen. Nein, es ist nicht verboten dort zu stehen. Dort trifft sich die Jugend aus Bowmore und man sollte ihnen als Tourist dort mal etwas Ruhe gönnen 😉


Bowmore im Shop

Was geht uns immer das Herz auf. Die Fähre von Kennacraig biegt in den Islay Sound ein und man erspäht die Caol Ila Destille. Die Schönheit des Gebäudes lieht im Auge des Betrachters. Ein äußerst funktionaler Bau, der in den 1970ern neu errichtet wurde. Bestehen tut die Destille seit 1846 und wurde von Hector Henderson gegründet.

Erwähnt wurde Sie bereits in dem hervorragendem Buch “The Whisky Distilleries of the United Kingdom” von Alfred Barnard, veröffentlicht 1887. Barnard nähert sich in seinem Buch von der Inselseite der Destille:

Die Paps of Jura von Caol Ila aus gesehenEver since our residence upon the island we had been longing for a nearer view of the famous “Paps of Jura,” and here they appeared before us, seeming to rise straight out of the sea, their base washed by the waters of the sound, which, looking so beautiful and yet so treacherous, rush between the two islands with a frightful rapidity. The Paps are generally enveloped in mist, but on this day their tops were seen distinctly, so bare, simple, and yet grand, in the clear atmosphere.
…
Caol Ila Distillery stands in the wildest and most picturesque locality we have seen. It is situated on the Sound of Islay, on the very verge of the sea, in a deep recess of the mountain, mostly cut out of the solid rock. The coast hereabouts is wild and broken, and detached pieces of rock lie here and there of such size that they form small islands.

Das diese Ausführung aus längst vergangenen Zeit stammt, ist kaum zu glauben. Auch heute könnte man die Umgebung von Caol Ila nicht besser beschreiben.

Form follows function?

Der funktionale Bau aus den 70ern… Anscheinend hat Caol Ila immer schon ein Augenmerk auf Funktionalität gelegt. Auch Barnard beschrieb Caol Ila im 19. Jahrhundert wie folgt: “The Distillery was built in the year 1846, and subsequently much extended and improved, and is arranged in the most modern style and possesses all the newest appliances used in the art of distilling.”

Diese Ausrichtung auf Funktionalität scheint einige Whisky Nerds dazu zu verleiten zu behaupten, dass Caol Ila eine Destille ohne Seele sei. Das möchten wir entschieden verneinen. Sie hat den größten Ausstoss aller Islay Destillen, klar, Caol Ila ist ein wichtiger Bestandteil von Blends wie zum Beispiel Johnnie Walker oder J&B. Aber auch hier arbeitet ein Master Distiller und viele weitere Mitarbeiter daran, den typischen Caol Ila Geschmack zu hegen und zu pflegen. Und das mit dem Stolz, der Liebe und dem Herzblut, den man von schottischen Brennereien gewohnt ist.

Der Geschmack

Der Geschmack: Caol Ila bereichert die Islay Whiskys mit seiner eigenen Note. Leicht rauchig und ein Hauch von Meeresaroma. Und ganz wichtig: die Süße! Man liest oft von Pfirisch-Aromen. Wir sagen aber ganz eindeutig: ein Caol Ila hat in der Nase einen Hubba Bubba Geruch 😉

Caol Ila Samples im Shop

Regelmäßig unregelmäßig wollen wir euch die Destillen vorstellen, von denen wir Whisky Samples im Angebot haben. Den Anfang macht Kilchoman. Eine Destille, die wir schon öfters besucht haben und deshalb auch eine etwas längere Vorstellung.

Die Kilchoman Destille – eines der ungewöhnlichsten Whisky-Projekte auf Islay der letzten Jahre. Gegründet 2005 als ein echte „Farm Distillery“, genauso, wie früher alle Destillen funktionierten: Die Gerste kommt vom eigenen Hof, gebrannt wird ebenfalls vor Ort.
Landkinder werden sich sofort zu Hause fühlen: es riecht nach Kuhdung, Trecker und Heuballen stehen herum, in den Ställen stehen Rinder. Aber es gibt einen grundlegenden Unterschied zu einem gewöhnlichen Bauernhof. Auf dem Hof stehen unzählige Holzfässer unterschiedlichster Herkunft herum und in den Bauernhofgeruch mischt sich der florale Duft einer Whiskybrennerei. Eine einzigartige Sinneserfahrung, die keine Destille zu bieten hat.

Bei einem Gang durch die Destille begeistert diese mit einem eigenem Charme. Alle Mitarbeiter sind hier mit viel Herzblut und Seele bei der Sache. Im Gegensatz zu den vielen industriellen Mitbewerbern, ist Kilchoman ein Kleinbetrieb. Jeder kennt jeden und vor allem ist die Brennerei inhabergeführt. Neben Edradour, ist Kilchoman eine der kleinsten aktiven schottischen Whisky-Destillerien und das lässt einem trotz der baulichen Erweiterungen alles behaglich und idyllisch vorkommen.

Der Whisky-Liebhaber mag hier sein Glück gefunden haben. Er sollte nicht den Fehler machen, sofort in die nächste Destille weiterzufahren um auf jeden Fall alle Islay Brennereien abhaken zu können. Whisky lebt von seinen geschmacklichen Eindrücken, aber für uns sind es zumindest auch immer visuelle Eindrücke, die wir von jeder Schottland Reise mit nach Hause nehmen. Eine „Farm Distillery“ ist sicherlich allein schon ein ganz spezieller und seltener Eindruck. Die nahe Umgebung bietet aber dem Betrachter noch vieles mehr…

Der Ort Kilchoman

Kilchoman church

© dubhagusgeal

Kilchoman war in früheren Zeiten eine Gemeinde mit 252 Einwohnern im Jahre 1851. Heute besteht der Ort nur noch aus wenigen einzelnen Häusern.

Die aktuelle Szenerie des Orte wird maßgeblich durch seine Kirchenruine bestimmt. Die Kirche ist ein äußerst karges Gebäude. Gottesdienste fanden dort bis 1977 statt. Mittlerweile ist die Ruine nur noch von Krähen bewohnt und bietet eine tolle düstere Atmosphäre. Verstärkt wird der Eindruck durch den jahrhundertealten Friedhof, der sich um die Kirche zieht. Viele Grabsteine sind stark verwittert und wie es sich für einen schottischen Friedhof gehört, steht dort ein 2,57 Meter hohes Keltenkreuz aus dem 14. Jahrhundert.

Weiter zur Machir Bay

Wenige Minuten zu Fuß oder mit dem Auto entfernt, befindet sich die Machir Bay. Kleine Pfade führen durch die mit Schilfgras bewachsene Dünen. Vorbei an Bächen mit dem für Islay so typischen, leicht durch den Torf gebräuntem Wasser. Anschließend befindet man sich am Meer. Ein 2km breiter Sandstrand und ein Grollen, dass man schon aus der Ferne vernommen hat. Starke Strömungen, ein konstanter Wind und entsprechend brachiale Wellen kennzeichnen die Bucht. Bei entsprechend niedrigem Wasserstand, lässt sich im Sand noch ein Wrack erkennen,
Wer in seinem Schottland Urlaub noch nicht gänzlich zur Ruhe gekommen ist, wird hier mit einem Schlag von Gleichmut und Gelassenheit erfasst. Das einzige Verlangen, was einem an diesem wunderschönen Ort noch treibt, ist die Gegenwart einfach zu genießen.

Kilchoman Samples bei uns im Shop